Hans Peter Gürtler – Menschen ü80 in Basel. Für bajour.ch

«Ich habe das Beste aus allem gemacht»

Hanspeter Gürtler wuchs in der Nachkriegszeit in Allschwil auf. Obwohl die Zeiten damals hart waren, fand er einen Weg, mit den Umständen umzugehen. Heute ist er stolz auf seine Karriere und sein Leben.

Portrait eines älteren Mannes

«Geboren bin ich in Basel. Ich wohnte mit meinen Eltern und meiner Schwester vier Jahre dort, bevor wir in ein Zweifamilienhaus in Allschwil zogen, das meinen Grosseltern gehörte. Es waren die harten Nachkriegsjahre, die meine Kindheit prägten.

In der Schule war ich nie besonders gern. Ich kann mich sehr gut erinnern, wie wenig wir damals hatten. Brot durfte immer erst nach zwei Tagen verkauft werden. Butter und Mehl gab es nur in winzigen Portionen gegen Marken. Ich habe noch heute eine ‹Märklikarte› und denke zurück an diese Tage.

Portrait eines älteren Mannes

«Wenn ich zurückblicke, erfüllt es mich mit Stolz, was ich erlebt und erreicht habe. Auch wenn die Zeiten
damals hart waren.»

Mein Vater war die meiste Zeit im Militärdienst, und meine Mutter arbeitete, um uns über die Runden zu bringen. Meine Schwester und ich haben den Haushalt übernommen. Wir hatten damals noch kein Telefon im Haushalt und mussten jeweils ins Tramhäuschen zum Telefonieren laufen. Wir hatten wenig, ja, nicht mal einen Ball zum spielen – aber wir wussten uns trotzdem zu beschäftigen. Es war eine schöne Kindheit.

Während der Kriegsjahre kamen Migranten zu uns ins Haus, denen wir Unterschlupf geboten haben. Ich erinnere mich an einen Polen und an einen deutschen Kriegsverweigerer. Letzterer gehörte für mich zur Familie und war wie Onkel für mich. Als der Krieg zu Ende war, habe ich nie wieder etwas von ihm gehört.

Nach dem Krieg ging es langsam aufwärts. Das neunte Schuljahr habe ich erfolgreich abgeschlossen und dabei ein tolles Zeugnis erhalten. Das gab mir Selbstvertrauen und eine Perspektive.

Ein besonderer Schatz in meinem Leben ist mein soziales Umfeld. Zu meinen alten Fasnachtskollegen habe ich immer noch Kontakt, und wir treffen uns regelmässig. Auch mit meinen Nachbarn und Freunden in Basel habe ich grosses Glück. Wir schauen füreinander und unterstützen uns. Ein solches Netzwerk ist ein wahrer Segen, besonders in meinem Alter. Das schätze ich sehr.

Wenn ich zurückblicke, erfüllt es mich mit Stolz, was ich erlebt und erreicht habe. Auch wenn die Zeiten damals hart waren, habe ich das Beste aus allem gemacht. Es war eine andere Zeit. Aber ich erinnere mich sehr gern daran – mein Leben war einfach sehr erfüllend.»